Das Wichtigste auf einen Blick
- Zertifizierung und Akkreditierung betreffen unterschiedliche Prüfebenen.
- Ob eine akkreditierte Zertifizierungsstelle erforderlich ist, ergibt sich aus den anwendbaren Anforderungen an den konkreten Nachweis.
- Eine Mitgliedschaft oder ein Logo ersetzt keine Prüfung des Akkreditierungsstatus und seines passenden Umfangs.
Inhaltsverzeichnis
- Was unterscheidet Akkreditierung und Zertifizierung?
- Zwei Anforderungstexte, zwei unterschiedliche Prüfaufgaben
- Was bedeutet Zertifizierung?
- Was ist eine Verbandsmitgliedschaft wie der BVUZ?
- Welche Anforderungen entscheiden über die Akzeptanz eines Zertifikats?
- Wann ist Akkreditierung gesetzlich vorgeschrieben?
- Akkreditierung, Zertifizierung und Verbandsmitgliedschaft im Vergleich
- Quellen und weiterführende Informationen
- Ihre nächsten Schritte
- Häufige Fragen
Was unterscheidet Akkreditierung und Zertifizierung?
Zertifizierung bestätigt die Erfüllung bestimmter Anforderungen, etwa an ein Managementsystem. Akkreditierung bewertet die Kompetenz einer prüfenden oder zertifizierenden Stelle für einen definierten Bereich. Die DAkkS erklärt diese Prüfebene. Ob ein konkreter Nachweis eine akkreditierte Stelle verlangt, ergibt sich aus den jeweils anwendbaren Anforderungen.
Zwei Anforderungstexte, zwei unterschiedliche Prüfaufgaben
Fiktives Beispiel: Ein Kunde verlangt ein ISO-9001-Zertifikat, nennt aber keine weiteren Bedingungen. Ein anderer verlangt ausdrücklich eine Zertifizierung durch eine dafür akkreditierte Stelle. Aus dem ersten Text folgt weder automatisch, dass eine bestimmte Akkreditierung nötig ist, noch dass jede beliebige Urkunde angenommen wird. Klären Sie unbestimmte Anforderungen gezielt im jeweiligen Zusammenhang.
Beim zweiten Text muss zusätzlich der passende Akkreditierungsnachweis der ausstellenden Stelle geprüft werden. Dabei reicht es nicht, irgendeine Akkreditierung oder Verbandsmitgliedschaft zu finden: Norm und Umfang müssen zum verlangten Nachweis passen. Eine bereits bestehende Zertifizierung wird dadurch nicht automatisch zu einer akkreditierten Zertifizierung.
Übertragen Sie die geklärte Anforderung auf die Prüfung des konkreten Zertifikats und seinen passenden Tätigkeitsumfang.
Was bedeutet Zertifizierung?
Zertifizierung ist eine Form der Konformitätsbewertung. Eine Zertifizierungsstelle prüft dabei, ob das Managementsystem einer Organisation die Anforderungen einer bestimmten Norm erfüllt. Das Ergebnis ist ein Zertifikat, das diese Konformität für einen festgelegten Geltungsbereich und Zeitraum bestätigt. Die ISO als internationale Normungsorganisation führt selbst keine Zertifizierungen durch.
Zertifizierung und Akkreditierung sind damit zwei verschiedene Ebenen: Die Zertifizierungsstelle bewertet Ihr System, die Akkreditierungsstelle bewertet die Zertifizierungsstelle. Beide Ebenen sind in der Qualitätsinfrastruktur aufeinander aufgebaut, aber funktional klar getrennt. Wie Sie ein vorliegendes Zertifikat auf Geltungsbereich und Aussteller prüfen, erläutert der Ratgeber ISO-Zertifikat prüfen: Geltungsbereich, Laufzeit und Aussteller.
Was ist eine Verbandsmitgliedschaft wie der BVUZ?
IfQA Institut für Qualität und Audit ist Mitglied im BVUZ (Bundesverband unabhängiger Zertifizierungsstellen e.V.) und hat sich damit zur Einhaltung der Qualitätskriterien des Verbands verpflichtet. Organisationen und Personen steht gegenüber dem BVUZ ein Beschwerderecht zu, wenn IfQA oder beauftragte Personen gegen diese Kriterien verstoßen. Diese Mitgliedschaft ist eine freiwillige Selbstverpflichtung gegenüber einem Fachverband.
Eine Verbandsmitgliedschaft ist ausdrücklich keine Akkreditierung im Sinne der staatlichen Kompetenzbestätigung durch eine nationale Akkreditierungsstelle. IfQA macht keine Akkreditierung geltend. Wer wissen möchte, welche Anforderungen an die Zertifizierungsstelle ein konkreter Auftraggeber oder eine Behörde stellt, muss dies direkt bei der empfangenden Stelle erfragen.
Welche Anforderungen entscheiden über die Akzeptanz eines Zertifikats?
Ob ein Zertifikat bei einer Ausschreibung, einem Auftraggeber oder einer Behörde anerkannt wird, hängt ausschließlich von den Anforderungen dieser Stelle ab. Manche Auftraggeber verlangen ein Zertifikat von einer akkreditierten Stelle, andere akzeptieren auch Zertifikate nicht akkreditierter Stellen. Es gibt keine universelle Regel, die alle Zertifikate gleichwertig macht.
Prüfen Sie daher vor der Beauftragung einer Zertifizierungsstelle, welche konkreten Anforderungen Ihre Zielgruppe, Ihr Auftraggeber oder die relevante Behörde stellt. Fragen Sie gegebenenfalls schriftlich nach, ob ein Zertifikat einer bestimmten Stelle akzeptiert wird. Weitere Hinweise zur Prüfung eines vorliegenden Zertifikats finden Sie im Ratgeber ISO-Zertifikat prüfen: Geltungsbereich, Laufzeit und Aussteller.
Wann ist Akkreditierung gesetzlich vorgeschrieben?
In bestimmten regulierten Bereichen, etwa im Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltschutz oder der Lebensmittelsicherheit, hat der Gesetzgeber eine Akkreditierung als Voraussetzung für Konformitätsbewertungstätigkeiten festgelegt. In diesen Fällen ist eine Akkreditierung nicht nur ein Qualitätssignal, sondern Bedingung für die rechtliche Zulässigkeit der Tätigkeit. Für Managementsystemzertifizierungen nach ISO 9001, ISO 27001 oder ISO 14001 besteht eine solche gesetzliche Pflicht zur Akkreditierung der Zertifizierungsstelle in der Regel nicht, sofern keine spezifischen Branchenvorschriften oder Auftraggeber etwas anderes verlangen.
Akkreditierung, Zertifizierung und Verbandsmitgliedschaft im Vergleich
| Merkmal | Akkreditierung | Zertifizierung | Verbandsmitgliedschaft |
|---|---|---|---|
| Wer stellt aus? | Staatliche Akkreditierungsstelle (z. B. DAkkS) | Zertifizierungsstelle | Fachverband (z. B. BVUZ) |
| Was wird bestätigt? | Kompetenz der Zertifizierungsstelle | Konformität des Managementsystems | Mitgliedschaft und Verpflichtung auf Verbandsqualitätskriterien |
| Gegenstand der Prüfung | Zertifizierungsstelle selbst | Organisation und ihr System | Mitgliedsorganisation |
| Rechtlicher Charakter | Staatlich, hoheitlich | Privatrechtlich | Freiwillige Selbstverpflichtung |
| Öffentliche Nachprüfbarkeit | Ja, über Akkreditierungsregister | Ja, über Zertifikatsregister der Stelle | Über Verbandsliste |
| Universelle Akzeptanzpflicht? | Nein, Auftraggeber entscheidet | Nein, Auftraggeber entscheidet | Nein, Auftraggeber entscheidet |
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Quellen und weiterführende Informationen
Ihre nächsten Schritte
- Ermitteln Sie die genaue Anforderung an Ihren Zertifikatsnachweis.
- Klären Sie gezielt, ob und welche Akkreditierung der Aussteller vorweisen muss.
- Prüfen Sie bei entsprechender Anforderung Status, relevante Norm und Umfang.
- Stimmen Sie Tätigkeitsbeschreibung und weitere erforderliche Angaben mit dem tatsächlich benötigten Nachweis ab.
Häufige Fragen
Ja, ein Zertifikat kann auch von einer nicht akkreditierten Stelle ausgestellt werden und ist formal gültig. Ob es vom jeweiligen Auftraggeber, einer Behörde oder bei einer Ausschreibung akzeptiert wird, hängt allein von den dort gestellten Anforderungen ab. Es gibt keine allgemeine gesetzliche Pflicht zur Akkreditierung für Managementsystemzertifizierungen.
Akkreditierte Stellen sind in öffentlichen Registern der jeweiligen nationalen Akkreditierungsstelle gelistet, in Deutschland etwa im Datenbankportal der DAkkS. Dort ist auch der genaue Geltungsbereich der Akkreditierung einsehbar. Eine Verbandsmitgliedschaft oder ein Verbandslogo auf der Website einer Zertifizierungsstelle ersetzt diesen Nachweis nicht.
Nein. Akkreditierung betrifft ausschließlich Konformitätsbewertungsstellen wie Labore, Inspektions- oder Zertifizierungsstellen. Ein Unternehmen, das sein Managementsystem zertifizieren lassen möchte, beantragt eine Zertifizierung bei einer Zertifizierungsstelle und wird selbst nicht akkreditiert.

Geschrieben von
Noah Wetjen
Geschäftsführer, IfQA
Noah Wetjen ist Geschäftsführer der IfQA Institut für Qualität und Audit GmbH. In den IfQA-Ratgebern erläutert er Grundlagen und Abläufe von Managementsystem-Zertifizierungen.



