Das Wichtigste auf einen Blick
- Beschreiben Sie, was einen Ablauf auslöst, wer handelt und welches Ergebnis an die nächste Stelle übergeben wird.
- Bestehende ERP-Vorgänge und Freigaben können den Prozess belegen; ein eigenes Dokument für jede Kleinigkeit ist nicht pauschal vorgeschrieben.
- Auch ausgelagerte Arbeitsschritte und ihre erforderliche Steuerung müssen als relevante Schnittstellen erkennbar sein.
Inhaltsverzeichnis
- Wie machen Sie Prozesse für ISO 9001 nachvollziehbar?
- Auftragsänderung: Eine verständliche Übergabe statt einer neuen Vorlage
- Schnittstellen: Wo Fehler entstehen und wie Sie sie sichtbar machen
- Prozesslandkarte: Werkzeug, kein Pflichtformat
- Kennzahlen: Prozessleistung messbar machen
- Was Auditoren bei Prozessen konkret prüfen
- Wie passen ausgelagerte Arbeitsschritte in die Prozesslandkarte?
- Fiktives Prozessblatt: Änderung eines Kundenauftrags
- Quellen und weiterführende Informationen
- Ihre nächsten Schritte
- Häufige Fragen
Wie machen Sie Prozesse für ISO 9001 nachvollziehbar?
Zeigen Sie, welche Eingaben ein Prozess erhält, wer ihn steuert, welches Ergebnis entsteht und wie Übergaben funktionieren. Vorhandene Abläufe und Aufzeichnungen können diese Zusammenhänge darstellen; eine Prozesslandkarte ist ein Werkzeug, kein pauschal vorgeschriebenes Layout. ISO beschreibt den prozessorientierten Qualitätsmanagementansatz. Relevante externe Schnittstellen gehören in die Betrachtung.
Auftragsänderung: Eine verständliche Übergabe statt einer neuen Vorlage
Fiktives Beispiel: Der Vertrieb nimmt eine geänderte Kundenanforderung auf. Die zuständige Funktion prüft ihre Umsetzbarkeit und gibt den geänderten Auftrag frei. Die Fertigung erhält die eindeutige neue Version; ihre Rückmeldung und die Ergebnisprüfung werden dem Vorgang zugeordnet. Vorhandene ERP-Schritte können diesen Ablauf zeigen.
Wird ein Arbeitsschritt extern vergeben, muss die Übergabe an den Dienstleister ebenfalls passen: Welche Version und Anforderungen gelten, was wird zurückgeliefert und wie wird das Ergebnis geprüft? Eine schön gezeichnete Prozesslandkarte ohne diese Klärung hilft bei der tatsächlichen Steuerung wenig.
Schnittstellen: Wo Fehler entstehen und wie Sie sie sichtbar machen
An Übergängen zwischen Prozessen können Qualitätsprobleme entstehen. Wenn Vertrieb und Produktion unterschiedlich verstehen, was eine Kundenanforderung bedeutet, entsteht an dieser Schnittstelle ein Informationsverlust. Schnittstellen müssen deshalb explizit beschrieben werden: Wer gibt was weiter, in welcher Form und mit welchem Qualitätsstandard?
Fiktives Beispiel: Ein Fertigungsunternehmen stellt fest, dass Auftragsänderungen vom Vertrieb mündlich kommuniziert werden, die Produktion aber erst nach Freigabe eines schriftlichen Änderungsdokuments reagiert. Diese Schnittstellenlücke führt zu Verzögerungen und Nacharbeit. Erst als beide Seiten die Übergabebedingung schriftlich vereinbaren, sinkt die Fehlerrate an dieser Stelle messbar.
Prozesslandkarte: Werkzeug, kein Pflichtformat
Eine Prozesslandkarte stellt die Gesamtheit der Prozesse einer Organisation und ihre Wechselwirkungen grafisch dar. Sie hilft, Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse voneinander abzugrenzen und Schnittstellen auf einen Blick sichtbar zu machen. Die Norm schreibt kein bestimmtes Layout vor. Ob Sie eine einfache Tabelle, ein Flussdiagramm oder eine mehrstufige Grafik verwenden, ist Ihre Entscheidung.
Wichtiger als das Format ist, dass die Darstellung die tatsächlichen Abläufe widerspiegelt und im Audit nachvollziehbar erklärt werden kann. Eine aufwendig gestaltete Karte, die nicht dem gelebten Alltag entspricht, ist im Audit weniger überzeugend als eine schlichte, aber stimmige Übersicht. Zur Frage, welche Dokumente dabei entstehen müssen, lesen Sie auch unseren Artikel ISO 9001: Welche dokumentierten Informationen brauchen Sie?.
Kennzahlen: Prozessleistung messbar machen
Legen Sie geeignete Kriterien und, soweit passend, Kennzahlen zur Beurteilung der Prozesse fest. Nutzen Sie vorhandene Daten, wenn sie für den jeweiligen Prozess aussagekräftig sind. Entscheidend ist eine nachvollziehbare Bewertung, aus der erforderliche Steuerungs- und Verbesserungsentscheidungen entstehen.
Kennzahlen sollten direkt mit den Prozesszielen verknüpft sein und regelmäßig ausgewertet werden. Werte, die erhoben, aber nie betrachtet werden, erfüllen die Anforderung nicht. Wie Sie Kennzahlen sinnvoll mit Qualitätszielen verbinden, beschreibt der Artikel Qualitätsziele nach ISO 9001: Kennzahlen sinnvoll festlegen ausführlicher.
Was Auditoren bei Prozessen konkret prüfen
Im Stufe-2-Audit prüfen Auditoren nicht nur, ob Prozesse dokumentiert sind, sondern ob sie im Alltag tatsächlich so ablaufen wie beschrieben. Typische Fragen betreffen die Prozessverantwortung, die Handhabung von Abweichungen an Schnittstellen und die Auswertung von Kennzahlen. Mitarbeitende sollten erklären können, welche Eingaben sie erwarten, was sie produzieren und an wen sie übergeben.
Häufige Schwachstellen im Audit sind fehlende Verantwortungszuordnungen, Schnittstellen ohne vereinbarte Übergabebedingungen und Kennzahlen, die zwar existieren, aber keine erkennbare Konsequenz haben. Wer diese drei Punkte vor dem Audit klärt, schafft eine belastbare Grundlage.
Wie passen ausgelagerte Arbeitsschritte in die Prozesslandkarte?
Fiktives Beispiel: Ein Fertigungsbetrieb vergibt eine Oberflächenbehandlung extern. Im eigenen Ablauf müssen Anforderungen, Auswahl und Steuerung des Dienstleisters sowie die Annahmeprüfung nachvollziehbar sein. Die Auslagerung beseitigt nicht die Verantwortung für die zugesagte Leistung. Welche Kontrollen sinnvoll sind, hängt vom Einfluss auf das Ergebnis ab; nicht jeder Lieferant muss deshalb persönlich vor Ort auditiert werden. Vereinbaren Sie, welche Merkmale nachzuweisen sind und wie Abweichungen zurückgemeldet werden.
Fiktives Prozessblatt: Änderung eines Kundenauftrags
| Prozessschritt | Übergabe und Verantwortung | Möglicher bestehender Nachweis |
|---|---|---|
| Änderung aufnehmen | Vertrieb erfasst die neue Anforderung | Kundenmitteilung und ERP-Vorgang |
| Umsetzbarkeit prüfen | Zuständige Funktion klärt Auswirkungen | Bewertung und erforderliche Abstimmung |
| Änderung freigeben | Befugte Person bestätigt den gültigen Stand | Freigegebene Auftragsversion |
| Ausführen | Fertigung oder beauftragter Dienstleister erhält passende Informationen | Zugeordnete Arbeits- oder Bestellinformation |
| Ergebnis prüfen | Zuständige Funktion prüft vereinbarte Kriterien | Prüfergebnis und Bearbeitung etwaiger Abweichungen |
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Quellen und weiterführende Informationen
Ihre nächsten Schritte
- Verfolgen Sie einen Auftrag oder eine Änderung vom Eingang bis zum Ergebnis.
- Benennen Sie an jeder wichtigen Übergabe Information, Zuständigkeit und erforderliche Prüfung.
- Ordnen Sie vorhandene Vorgaben und Aufzeichnungen zu und klären Sie Widersprüche.
- Legen Sie geeignete Kriterien zur Prozessbewertung fest und bearbeiten Sie erkannte Schwachstellen.
Häufige Fragen
Die Norm schreibt keine Mindestanzahl vor. Maßgeblich ist, dass alle Prozesse erfasst sind, die für die Qualität der Produkte und Dienstleistungen relevant sind. Ein kleines Unternehmen kann mit wenigen klar beschriebenen Prozessen auskommen, solange diese vollständig und nachvollziehbar sind.
Nicht zwingend. Die Norm verlangt dokumentierte Informationen nur dort, wo sie ausdrücklich gefordert sind oder wo das Unternehmen sie für die wirksame Steuerung benötigt. Mehrere einfache Prozesse können in einem gemeinsamen Dokument beschrieben sein, sofern Verantwortung, Eingaben und Ergebnisse klar erkennbar bleiben.
Auditoren können eine Abweichung oder eine Beobachtung festhalten, je nach Schwere des Befunds. Abweichungen werden nach ihrer Schwere und Systemwirkung bewertet. Schwere Abweichungen erfordern vor einer positiven Entscheidung bewertete Korrekturen und umgesetzte Korrekturmaßnahmen; bei geringfügigen Abweichungen können angenommene Maßnahmenpläne und verbindliche Fristen maßgeblich sein. Eine Beobachtung ist ein Hinweis auf Verbesserungspotenzial ohne unmittelbare Sperrwirkung.

Geschrieben von
Noah Wetjen
Geschäftsführer, IfQA
Noah Wetjen ist Geschäftsführer der IfQA Institut für Qualität und Audit GmbH. In den IfQA-Ratgebern erläutert er Grundlagen und Abläufe von Managementsystem-Zertifizierungen.



