Das Wichtigste auf einen Blick
- Bereiten Sie vorhandene Abläufe und passende Nachweise vor; doppelte Formulare machen ein System nicht besser.
- Klären Sie Ansprechpartner, Zugänge und reale Vorgänge für die vorgesehenen Auditthemen.
- Trennen Sie fehlende Umsetzung von einem fehlenden Dokumentenzugriff: Beide Probleme brauchen unterschiedliche Lösungen.
Inhaltsverzeichnis
- Wie bereiten Sie ein Zertifizierungsaudit praktisch vor?
- Ein vorhandener Auftrag als Vorbereitungstest
- Geltungsbereich und Ansprechpartner klären
- Systemunterlagen: Was aktuell und auffindbar sein muss
- Operative Nachweise aus dem Tagesgeschäft
- Technik und Organisation bei Remote-Audits
- Ausgefülltes Vorbereitungsmuster für einen fiktiven Auftrag
- Quellen und weiterführende Informationen
- Ihre nächsten Schritte
- Häufige Fragen
Wie bereiten Sie ein Zertifizierungsaudit praktisch vor?
Ordnen Sie dem Auditplan zuständige Personen, vorhandene Systeminformationen und passende betriebliche Nachweise zu. Prüfen Sie an realen Vorgängen, ob Durchführung, Zuständigkeit und Dokumentation zusammenpassen. Klären Sie Zugänge und offene fachliche Lücken vorab. Der IfQA-Zertifizierungsablauf ist der Ausgangspunkt für die Abstimmung der konkreten Planung.
Ein vorhandener Auftrag als Vorbereitungstest
Fiktives Beispiel: Ein Unternehmen prüft vor dem Audit einen abgeschlossenen Kundenauftrag. Der Vertrieb findet die Anforderungen, die Fertigung die freigegebene Version und die Qualitätssicherung die Ergebnisprüfung. Es zeigt sich aber, dass nur eine abwesende Person Zugang zu den Reklamationsdaten hat.
Die Aufgabe ist nun, einen geeigneten Zugang und die Erläuterung durch eine zuständige Person zu organisieren. Fehlt dagegen die vereinbarte Prüfung des Auftrags, lässt sich das nicht durch einen neuen Ablageordner lösen. Bearbeiten Sie die tatsächliche Lücke und dokumentieren Sie nachvollziehbar, was jetzt getan wurde.
Prüfen Sie zunächst den Stand Ihres Qualitätsmanagementsystems. Ordnen Sie danach die Informationen der jeweiligen Auditstufe zu.
Geltungsbereich und Ansprechpartner klären
Halten Sie fest, welche Tätigkeiten zertifiziert werden sollen, wo sie ausgeführt werden und welche unterstützenden Prozesse dazugehören. Stimmen Sie Grenzen und zugehörige Standortangaben mit der Zertifizierungsstelle ab. Ein verständlicher Umfang und passende Ansprechpartner erleichtern die Planung.
Benennen Sie intern eine verantwortliche Kontaktperson, die während beider Auditstufen erreichbar ist und Zugang zu allen relevanten Unterlagen hat. Planen Sie außerdem, welche Führungskräfte und Mitarbeitenden für Gespräche zur Verfügung stehen. Der Auditor wird mit verschiedenen Ebenen sprechen, nicht nur mit der Systemverantwortlichen oder dem Systemverantwortlichen.
Stimmen Sie dazu eine verständliche Beschreibung der zu zertifizierenden Tätigkeiten und die zugehörigen Standortangaben ab, bevor Termine und Ansprechpartner festgelegt werden.
- Geltungsbereich schriftlich dokumentiert und begründet
- Ausschlüsse sachlich hergeleitet
- Interne Ansprechperson für beide Auditstufen benannt
- Verfügbarkeit von Führung und Mitarbeitenden für Gespräche sichergestellt
Systemunterlagen: Was aktuell und auffindbar sein muss
Halten Sie die nach der einschlägigen Norm erforderlichen Systeminformationen und Nachweise aktuell und zugänglich. Dazu gehören unter anderem Politik, Ziele, interne Audits und Managementbewertung. Umfang und Form der Prozessinformationen richten sich nach den Anforderungen und dem notwendigen Maß wirksamer Steuerung. Umweltziele sind soweit praktikabel messbar.
Für ISO 27001 gehören insbesondere Risikobeurteilung, Risikobehandlung und Statement of Applicability dazu. Erforderliche Inventare ergeben sich aus begründeter Maßnahmenauswahl und anwendbaren Anforderungen. Prüfen Sie vorhandene Aufzeichnungen, statt pauschal ein zusätzliches Dokumentenpaket anzulegen.
- Normabhängig erforderliche Politik und Ziele verfügbar.
- Erforderliche Prozessinformationen geeignet, aktuell und verfügbar.
- Interne Audits und Managementbewertung nachvollziehbar.
- Erforderliche Fachnachweise passend zur betreffenden Norm zugeordnet.
Operative Nachweise aus dem Tagesgeschäft
Das Stufe-2-Audit bewertet, ob das System tatsächlich gelebt wird. Dafür braucht der Auditor Nachweise aus dem Betrieb: Aufzeichnungen zu Schulungen, Lieferantenbewertungen, Reklamationsbearbeitung, Messungen, Kalibrierprotokollen oder Vorfallsmeldungen, je nach Norm und Geltungsbereich. Im Audit werden repräsentative Stichproben vorgelegt; normativ, gesetzlich oder vertraglich geforderte Aufzeichnungen müssen im erforderlichen Umfang geführt werden.
Stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende wissen, wo Aufzeichnungen abgelegt sind, und dass sie im Audit erklären können, wie sie in ihrem Bereich vorgehen. Wenn im Audit Abweichungen festgestellt werden, erhalten Sie die Gelegenheit zur Korrektur, bevor die Zertifizierungsentscheidung fällt. Wie dieser Prozess funktioniert, beschreibt der Artikel Abweichung im Audit: Korrektur, Ursache und Wirksamkeit.
- Schulungsnachweise für relevante Rollen vorhanden
- Aufzeichnungen zu Lieferanten, Reklamationen oder Vorfällen auffindbar
- Mitarbeitende kennen die Ablagestruktur
- Korrekturen aus früheren internen Audits nachweislich umgesetzt
Technik und Organisation bei Remote-Audits
Remote-Audits stellen besondere Anforderungen an die technische Infrastruktur. Stabile Internetverbindung, eine funktionsfähige Kamera und ein geeignetes Videokonferenztool sind Grundvoraussetzung. Planen Sie außerdem, wie Sie digitale Unterlagen während des Audits teilen, etwa per Bildschirmfreigabe oder über einen gemeinsam zugänglichen Dokumentenbereich. Testen Sie die Technik vor dem Audittermin.
Klären Sie intern, wer an welchem Zeitpunkt zugeschaltet ist, und stellen Sie sicher, dass die Verbindung in ruhiger Umgebung stattfindet. Bei Produktionsunternehmen kann eine Kombination aus Remote-Gesprächen und einem kompakten Vor-Ort-Termin sinnvoll sein, wenn eine Begehung fachlich erforderlich ist.
- Stabile Internetverbindung und Kamera getestet
- Videokonferenztool mit Auditor abgestimmt
- Bildschirmfreigabe oder digitaler Dokumentenzugang vorbereitet
- Zeitplan mit Zugeschalteten intern kommuniziert
- Ruhige Umgebung für alle Teilnehmenden sichergestellt
Ausgefülltes Vorbereitungsmuster für einen fiktiven Auftrag
| Prüfpunkt | Vorhandener Nachweis | Offen / nächste Aufgabe |
|---|---|---|
| Anforderungen | Kundenbestellung im ERP | Zuständige Person und passende Einsicht einplanen |
| Freigabe | Freigegebene Auftragsversion | Sicherstellen, dass dieselbe Version in der Durchführung verwendet wurde |
| Ergebnis | Prüfaufzeichnung zum Auftrag | Zuordnung zum Vorgang prüfen |
| Reklamationsbearbeitung | Eintrag in vorhandener Anwendung | Geeigneten Zugriff und fachliche Erläuterung organisieren |
| Auditorganisation | Abgestimmter Plan und Ansprechpartner | Abwesenheiten und erforderliche Vertretung klären |
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Quellen und weiterführende Informationen
Ihre nächsten Schritte
- Legen Sie den abgestimmten Auditplan neben Ihre Zuständigkeitsübersicht.
- Gehen Sie einen realen Vorgang durch und prüfen Sie den Zugang zu den zugehörigen Informationen.
- Bearbeiten Sie offene fachliche Lücken und organisieren Sie fehlende Zugänge oder Vertretungen.
- Testen Sie bei Remote-Anteilen Bildschirmfreigabe und erforderliche Einblicke mit den tatsächlich beteiligten Personen.
Häufige Fragen
Das hängt vom Reifegrad des Managementsystems ab. Wenn interne Audits und Managementbewertung bereits regelmäßig stattfinden, reicht in der Regel ein strukturierter Vorlauf von einigen Wochen. Fehlen diese Elemente noch, ist mehr Zeit einzuplanen, da sie nicht kurzfristig nachgeholt werden können.
Nicht alle, aber die Mitarbeitenden, mit denen der Auditor sprechen wird, sollten wissen, wie Prozesse in ihrem Bereich ablaufen und wo Aufzeichnungen zu finden sind. Eine kurze interne Information vor dem Audit ist sinnvoll, auswendig gelernte Antworten sind nicht das Ziel.
Fehlende Unterlagen werden als Abweichung oder Feststellung dokumentiert. Je nach Schwere erhalten Sie die Möglichkeit, die Lücke vor der Zertifizierungsentscheidung zu schließen. Wie Abweichungen bewertet und behoben werden, erklärt der Artikel Abweichung im Audit: Korrektur, Ursache und Wirksamkeit.

Geschrieben von
Noah Wetjen
Geschäftsführer, IfQA
Noah Wetjen ist Geschäftsführer der IfQA Institut für Qualität und Audit GmbH. In den IfQA-Ratgebern erläutert er Grundlagen und Abläufe von Managementsystem-Zertifizierungen.



