Das Wichtigste auf einen Blick
- Prüfen Sie zuerst vorhandene Abläufe und Aufzeichnungen; ein neues QM-Handbuch ist keine pauschale Voraussetzung.
- Interne Audits und Managementbewertung müssen die tatsächliche Umsetzung und Bewertung Ihres Systems erkennen lassen.
- Stimmen Sie Normausgabe, Geltungsbereich und Auditplanung ab; ein Wunschtermin ersetzt keine fehlenden Voraussetzungen.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Voraussetzungen braucht eine ISO-9001-Zertifizierung?
- Vom funktionierenden Auftragsablauf zur erkennbaren Lücke
- Welche Voraussetzungen müssen vor dem Audit erfüllt sein?
- Interne Audits: Warum sie nicht fehlen dürfen
- Managementbewertung: Was die Leitung nachweisen muss
- Was passiert, wenn Abweichungen festgestellt werden?
- Welche Normausgabe wird auditiert?
- Drei Ausgangslagen: Was Sie weiterverwenden und prüfen können
- Quellen und weiterführende Informationen
- Ihre nächsten Schritte
- Häufige Fragen
Welche Voraussetzungen braucht eine ISO-9001-Zertifizierung?
Für eine ISO-9001-Zertifizierung muss ein geeignetes Qualitätsmanagementsystem umgesetzt und seine Anwendung nachweisbar sein. Dazu gehören unter anderem klare Abläufe, interne Audits und die Bewertung durch die Leitung. Ein bestimmtes QM-Handbuch ist kein pauschal erforderliches Format. IfQA beschreibt die Prüfung des Systems und seiner Umsetzung; vorhandene geeignete Aufzeichnungen können dafür genutzt werden.
Vom funktionierenden Auftragsablauf zur erkennbaren Lücke
Fiktives Beispiel: Ein Fertigungsbetrieb nimmt Aufträge im ERP an, dokumentiert die Prüfung der Anforderungen und erfasst Reklamationen in einer vorhandenen Anwendung. Diese Aufzeichnungen werden nicht allein wegen der Zertifizierung in neue Formulare kopiert. Prüfen Sie, ob sie aktuell, verfügbar und den betreffenden Abläufen eindeutig zugeordnet sind.
Bei der Bestandsaufnahme fehlt jedoch eine dokumentierte Bewertung durch die Leitung. Das ist eine andere Aufgabe als die Ablage vorhandener Aufträge: Die Leitung muss die vorgesehenen Eingaben bewerten und erforderliche Entscheidungen festhalten. Ein zusätzlicher Ordner mit kopierten Auftragsdaten schließt diese Lücke nicht.
Welche Voraussetzungen müssen vor dem Audit erfüllt sein?
Drei Elemente sind für die Zertifizierungsreife besonders relevant und werden im Audit gezielt geprüft: eine dokumentierte Qualitätspolitik mit messbaren Zielen, mindestens ein vollständig durchgeführtes internes Audit sowie eine abgeschlossene Managementbewertung. Diese beiden letzten Punkte müssen vor dem Zertifizierungsaudit stattgefunden haben, weil sie belegen, dass das System sich selbst überprüft und weiterentwickelt.
Hinzu kommen dokumentierte Informationen zu den wesentlichen Prozessen, Nachweise aus dem Tagesgeschäft wie Protokolle, Prüfberichte oder Korrekturmaßnahmen sowie eine klare Definition des Geltungsbereichs. Welche dokumentierten Informationen die Norm konkret verlangt, erläutert der Ratgeber ISO 9001: Welche dokumentierten Informationen brauchen Sie?.
Wenn zusätzlich Umwelt- oder Informationssicherheitsnormen benötigt werden, prüfen Sie die gemeinsamen Abläufe eines integrierten Managementsystems, bevor Sie parallele Unterlagen anlegen.
Interne Audits: Warum sie nicht fehlen dürfen
Das interne Audit ist kein bürokratisches Pflichtprogramm, sondern der Nachweis, dass Ihr Unternehmen sein eigenes System kritisch bewertet. Es muss geplant, durchgeführt und dokumentiert sein, bevor der externe Auditor kommt. Fehlt dieser Nachweis, ist das Zertifizierungsaudit in der Regel nicht möglich.
Wichtig ist, dass interne Auditoren nicht ihre eigene Arbeit prüfen. Die Unabhängigkeit der Prüfung muss erkennbar sein, auch in kleinen Unternehmen. Das kann durch gegenseitige Prüfung zwischen Bereichen oder durch externe Unterstützung sichergestellt werden, sofern die Verantwortung im Unternehmen verbleibt.
Wenn Rollen oder Prüferwahl unklar sind, unterscheiden Sie zunächst internes Audit und externes Zertifizierungsaudit. So können Sie Zuständigkeiten und Nachweise der richtigen Prüfung zuordnen.
Managementbewertung: Was die Leitung nachweisen muss
Die Managementbewertung ist die formale Überprüfung des Qualitätsmanagementsystems durch die Unternehmensleitung. Sie muss dokumentiert sein und typische Eingaben umfassen: Ergebnisse interner Audits, Kundenfeedback, Zielerreichung, Ressourcenbedarf und Verbesserungspotenziale. Ausgaben sind konkrete Entscheidungen und Maßnahmen.
Fehlt eine erforderliche Managementbewertung oder ist sie nicht nachvollziehbar dokumentiert, bewertet der Auditor die Feststellung nach Umfang, Systemwirkung und den geltenden Einstufungskriterien. Die Einstufung folgt nicht allein dem Namen eines fehlenden Dokuments. Welche Korrekturen und Nachweise vor der Entscheidung erforderlich sind, richtet sich nach dieser Einstufung und den geltenden Zertifizierungsregeln. Die Bewertung muss nicht aufwendig sein, sie muss aber erkennbar von der Leitung verantwortet worden sein.
Wie aus vorhandenen Auswertungen erkennbare Leitungsentscheidungen werden, zeigt das Arbeitsbeispiel zur Managementbewertung.
Was passiert, wenn Abweichungen festgestellt werden?
Abweichungen im Audit sind kein automatisches Scheitern. Der Auditor unterscheidet zwischen Hauptabweichungen, die eine Zertifizierung zunächst verhindern, und Nebenabweichungen, die innerhalb einer vereinbarten Frist behoben werden können. Zu jeder Abweichung erhalten Sie eine konkrete Beschreibung und die Möglichkeit, Korrekturen nachzuweisen.
Wie das zweistufige Auditverfahren im Detail abläuft und was in jeder Stufe geprüft wird, beschreibt der Ratgeber Stufe 1 und Stufe 2: So unterscheiden sich die Audits. Das Stufe-1-Audit dient gerade dazu, offene Punkte vor dem eigentlichen Zertifizierungsaudit zu identifizieren.
Welche Normausgabe wird auditiert?
ISO hat ISO 9001:2026 veröffentlicht. Klären Sie mit der Zertifizierungsstelle, auf welche Ausgabe sich Ihr konkretes Audit und das Zertifikat beziehen und welche Übergangsregeln für ein vorhandenes Zertifikat gelten. Die Veröffentlichung einer neuen Ausgabe allein legt weder einen individuellen Audittermin noch das Ablaufdatum Ihres bestehenden Zertifikats fest.
Drei Ausgangslagen: Was Sie weiterverwenden und prüfen können
| Ausgangslage | Vorhandenes Material nutzen | Tatsächliche Lücke klären |
|---|---|---|
| Ablauf funktioniert, Beschreibung fehlt | Aktuellen Auftrag mit ERP-Daten und Zuständigkeiten verfolgen | Ist der Ablauf ausreichend bestimmt, gesteuert und verständlich dargestellt? |
| Dokumentation passt nicht mehr zur Praxis | Freigegebene Vorgabe mit tatsächlicher Durchführung vergleichen | Inhalt, Zuständigkeiten oder Umsetzung gezielt berichtigen |
| System ist bereits zertifiziert | Letzten Auditbericht, Änderungen und Maßnahmen heranziehen | Nächsten Audittyp und offenen Handlungsbedarf klären |
| Leitung hat Ergebnisse noch nicht bewertet | Vorhandene Kennzahlen, Audit- und Kundenrückmeldungen bündeln | Managementbewertung durchführen und Entscheidungen festhalten |
Seitlich wischen für alle Spalten
Quellen und weiterführende Informationen
- IfQA: Zertifizierung nach ISO 9001
- IfQA: Ablauf des Zertifizierungsverfahrens
- ISO: ISO 9001 und veröffentlichte Normausgabe
Ihre nächsten Schritte
- Klären Sie die genaue Zertifikatsanforderung Ihres Auftraggebers und die betreffende Tätigkeit.
- Verfolgen Sie einen vorhandenen Auftrag durch Ihre Abläufe und ordnen Sie die dazugehörigen Nachweise zu.
- Prüfen Sie interne Audits, Managementbewertung und die Bearbeitung festgestellter Lücken.
- Klären Sie mit der Zertifizierungsstelle Normausgabe, tatsächlichen Vorbereitungsstand und passende Auditplanung.
Häufige Fragen
Ja. Ein eigenes QM-Team ist keine pauschale Voraussetzung. Zuständigkeiten und erforderliche Kompetenz müssen jedoch passen. Interne Audits sind so zu organisieren, dass kompetente Auditoren objektiv und unparteilich prüfen können; je nach Betrieb kann geeignete externe Unterstützung sinnvoll sein.
Die Norm legt keinen festen zeitlichen Mindestabstand fest. Das interne Audit muss jedoch abgeschlossen und ausgewertet sein, bevor das Stufe-2-Audit stattfindet. In der Praxis empfiehlt sich ein Abstand von einigen Wochen, damit festgestellte Punkte noch bearbeitet werden können.
Dokumentation allein genügt nicht. Der Auditor prüft, ob das System im Alltag gelebt wird, was Nachweise aus dem laufenden Betrieb voraussetzt. Ein System, das erst kurz vor dem Audit aufgebaut wurde, kann diese Nachweise in der Regel noch nicht liefern.

Geschrieben von
Noah Wetjen
Geschäftsführer, IfQA
Noah Wetjen ist Geschäftsführer der IfQA Institut für Qualität und Audit GmbH. In den IfQA-Ratgebern erläutert er Grundlagen und Abläufe von Managementsystem-Zertifizierungen.



